Wiederkehrende Harnwegsinfekte

Wenn die Blasenentzündung immer wieder zurückkommt

Wiederkehrende Harnwegsinfekte zählen zu den häufigsten urologischen und gynäkologischen Beschwerden bei Frauen. Von wiederkehrenden Harnwegsinfekten spricht man üblicherweise, wenn:

  • zwei oder mehr Infektionen innerhalb von sechs Monaten oder
  • drei oder mehr Infektionen innerhalb von zwölf Monaten

auftreten.

Ziel der Abklärung ist es, mögliche Ursachen zu erkennen, Risikofaktoren zu identifizieren und eine individuell angepasste Behandlungs- und Vorbeugestrategie zu entwickeln.

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Wiederkehrende Harnwegsinfekte:
Wer ist häufig betroffen?

Frauen sind deutlich häufiger betroffen als Männer. Der Grund liegt vor allem in anatomischen Gegebenheiten: Die weibliche Harnröhre ist kürzer, wodurch Bakterien leichter in die Harnblase gelangen können.

Weitere Risikofaktoren sind:

  • hormonelle Veränderungen (z. B. Menopause)
  • sexuelle Aktivität
  • Schwangerschaft
  • Diabetes mellitus
  • chronische Erkrankungen
  • Blasenentleerungsstörungen
  • Blasen- oder Harnleitersteine
  • Katheterisierung
  • Verwendung bestimmter Verhütungsmethoden (z. B. Spermazide)

Häufige Ursachen wiederkehrender Harnwegsinfekte

Anatomische oder funktionelle Ursachen

  • unvollständige Blasenentleerung
  • Senkung von Scheide oder Gebärmutter
  • Restharnbildung
  • Veränderungen im Bereich von Blase oder Harnwegen

Hormonelle Veränderungen

Besonders nach den Wechseljahren kann ein Östrogenmangel zu Veränderungen der Schleimhäute führen und das Infektionsrisiko erhöhen.

Sexuelle Aktivität

Bei manchen Frauen treten Infekte gehäuft nach dem Geschlechtsverkehr auf. In solchen Fällen können gezielte Vorbeugestrategien sinnvoll sein.

Chronische Erkrankungen

Diabetes oder Erkrankungen mit Einfluss auf das Immunsystem können das Risiko erhöhen.

Symptome erkennen

Typische Beschwerden sind:

  • Brennen beim Wasserlassen
  • häufiger Harndrang
  • Schmerzen oder Druckgefühl im Unterbauch
  • auffälliger oder trüber Urin
  • Blut im Urin

Warnzeichen wie Fieber, starke Schmerzen, Erschöpfung oder Beschwerden im Bereich der Nieren sollten zeitnah ärztlich abgeklärt werden.

Besonders in der Schwangerschaft oder bei Vorerkrankungen ist eine frühzeitige Untersuchung wichtig.

Diagnostik

Die Abklärung umfasst je nach Situation:

  • ausführliche Anamnese
  • körperliche Untersuchung
  • Urinanalyse
  • Urinkultur zur Erregerbestimmung
  • gynäkologische Untersuchung
  • Ultraschall von Nieren und Harnblase
  • Beurteilung der Blasenentleerung

Bei speziellen Fragestellungen können zusätzliche Untersuchungen sinnvoll sein.

Behandlung einer akuten Harnwegsinfektion

Ziel der Behandlung ist die rasche Linderung der Beschwerden und die gezielte Bekämpfung des verursachenden Erregers.

Je nach Befund kommen unterschiedliche Therapieformen infrage:

  • individuell ausgewählte Antibiotikatherapie
  • ausreichende Flüssigkeitszufuhr
  • unterstützende Maßnahmen zur Beschwerdelinderung

Nicht jede Infektion benötigt automatisch eine antibiotische Behandlung. Nutzen und Risiken werden individuell abgewogen.

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Vorbeugung wiederkehrender Harnwegsinfekte

Ziel der Vorbeugung ist es, die Häufigkeit erneuter Infekte zu reduzieren.

Nicht-medikamentöse Maßnahmen

  • ausreichend trinken
  • regelmäßige Blasenentleerung
  • Wasserlassen nach Geschlechtsverkehr
  • Vermeidung reizender Intimprodukte
  • ausreichend Schlaf
  • Stressreduktion
  • ballaststoffreiche Ernährung

Bei Frauen nach den Wechseljahren kann in bestimmten Fällen eine lokale vaginale Östrogentherapie sinnvoll sein.

Medikamentöse Vorbeugung

Je nach Situation können unterschiedliche Strategien sinnvoll sein:

  • niedrig dosierte Antibiotikaprophylaxe
  • lokale Östrogentherapie
  • individuell angepasste Maßnahmen nach ärztlicher Abklärung

Immuntherapie („Impfung“) bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten

Bei häufig wiederkehrenden Harnwegsinfekten kann in ausgewählten Fällen auch eine immunstimulierende Behandlung sinnvoll sein.

StroVac®

StroVac ist ein immuntherapeutisches Präparat mit bakteriellen Bestandteilen (Lysaten), das das lokale Abwehrsystem der Harnwege unterstützen soll.

Ziel ist es, die körpereigene Immunantwort zu trainieren und die Häufigkeit wiederkehrender Infekte zu reduzieren.

Uro-Vaxom® (OM-85)

Auch Uro-Vaxom gehört zu den immunstimulierenden Therapieansätzen bei wiederkehrenden Harnwegsinfekten.

Wichtig: Es handelt sich nicht um klassische Impfungen gegen einen einzelnen Erreger, sondern um Verfahren zur Unterstützung der körpereigenen Abwehrmechanismen.

Welche Therapie sinnvoll ist, wird individuell nach Beschwerden, Risikofaktoren und medizinischer Situation entschieden.

Wann spricht man von wiederkehrenden Harnwegsinfekten?

Von wiederkehrenden Harnwegsinfekten spricht man meist bei mindestens zwei Infekten innerhalb von sechs Monaten oder drei Infekten innerhalb eines Jahres.

Warum haben Frauen häufiger Harnwegsinfekte?

Frauen sind aufgrund anatomischer Unterschiede häufiger betroffen. Die kürzere Harnröhre erleichtert das Eindringen von Bakterien in die Harnblase.

Können die Wechseljahre Harnwegsinfekte begünstigen?

Ja. Hormonelle Veränderungen und ein Östrogenmangel können die Schleimhäute verändern und das Risiko für Infektionen erhöhen.

Gibt es eine Impfung gegen wiederkehrende Harnwegsinfekte?

Es gibt immunstimulierende Therapieformen wie StroVac oder Uro-Vaxom, die die körpereigene Abwehr unterstützen können. Ob diese sinnvoll sind, sollte individuell ärztlich beurteilt werden.

Muss jeder Harnwegsinfekt mit Antibiotika behandelt werden?

Nicht immer. Die Behandlung richtet sich nach Beschwerden, Untersuchungsergebnissen und individuellen Risikofaktoren.

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